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Die
Meditationspraxis ist schlicht und einfach. Sie setzt keine besonderen
Fähigkeiten, Kenntnisse oder Überzeugungen voraus,
sondern lediglich die Bereitschaft, 45 Minuten in aufrechter
Körperhaltung schweigend zu sitzen.
Hierfür stehen Bänkchen und Kissen zur Verfügung.
Rücken und Kopf werden gerade gehalten, das Kinn etwas
zurückgezogen. Der leicht gesenkte Blick ist auf keinen festen
Punkt gerichtet (die Augen können auch geschlossen werden). Die
Hände liegen in Zen-Haltung ineinander. Der
Atem fließt ruhig und natürlich in den Bauch (jap. hara). Die Aufmerksamkeit ist ganz
im Hier und Jetzt, unbewegt. Gedanken und andere Empfindungen werden
nur wortlos beobachtet; sie kommen und gehen. Wer ihnen doch eine
Zeitlang gefolgt ist, kehrt einfach wieder
in die Gegenwart zurück.
Wir leiten die Meditation weiterhin mit dem von unserem
langjährigen Begleiter und Meditationslehrer Karl-Heinz
Steinbüchel verwendeten Gebet ein. Nachdem wir uns zum
Abschluß der Meditation von den Sitzplätzen erhoben haben,
bleiben wir noch einen Moment in der Stille; wer möchte, spricht
das Vaterunser.
Einleitungsgebet
Wir bitten Dich, Herr
Wende mein Herz zu Dir
Bis auf den Grund meiner Seele
Wo ich im Schweigen vom Geräusche der Geschöpfe
Ungehindert vom Aufruhr störender Gedanken
Bei Dir weile
Dich immer gegenwärtig finde
Dich liebe und verehre
Steinbüchels
Meditationsanweisungen
Sitzen auf dem Bänkchen:
- Füße über Kreuz (rechts über links).
- Rücken gerade. ("Ich bin mit einem langen Seil am Bauch oben im
Himmel festgemacht.")
- Hände ineinander (linke in rechte; Zen-Haltung) oder offen auf
die Oberschenkel (Daumen und Zeigefinger zusammen; Yoga-Haltung).
Meditieren:
- Still sitzen
- und ein bißchen auf den Atem achten (Bauchatmung).
Meditationsanweisungen von
Hugo M. Enomiya-Lassalle
Lassen Sie einfach Ihre Gedanken kommen und gehen und schauen Sie ihnen
unbewegt wie vorüberziehenden Wolken zu.
Hugo M. Enomiya-Lassalle:
Zen-Unterweisung. München: Kösel, 3. Auflage 1988, Seite 23
"Zazen" heißt "Sitz-Meditation", was schon andeutet, daß
das Sitzen dabei eine wichtige Rolle spielt. Wir wollen uns
zunächst klarmachen, worin die Zen-Meditation besteht, wie sie
vollzogen wird und was dazugehört. Zum Vollzug der Zen-Meditation
gehören drei Dinge: Körperhaltung, Atmung und innere Haltung.
1. Körperhaltung
Man sitzt auf einem etwa fünf Zentimeter dicken Kissen, das
unmittelbar auf dem Boden oder einer Decke liegt. Dabei wird der rechte
Fuß auf den linken Oberschenkel und der linke Fuß auf den
rechten Oberschenkel gelegt. Der Oberkörper soll
einschließlich des Kopfes kerzengerade aufgerichtet, aber
vollkommen entspannt sein. Die Arme hängen gelöst herunter.
Die Hände liegen mit dem Handrücken nach unten gekehrt flach
aufeinander, wobei sich die Daumen leicht berühren. Die Augen sind
halb geöffnet und auf einen etwa einen Meter entfernten Punkt am
Boden gerichtet. Dieser Sitz wird "Lotussitz" genannt. Legt man nur den
einen Fuß auf den gegenüberliegenden Oberschenkel,
während der andere Fuß am Boden liegen bleibt, nennt man
diese Haltung "halber Lotussitz". Der Lotussitz ist fast
unverändert vom Yoga übernommen. Bei diesem wird jedoch kein
Kissen als Unterlage benutzt. Man sitzt flach am Boden, was
übrigens auch im Zen bisweilen geschieht. Das im Zen
gebräuchliche Kissen erleichtert den Lotussitz.
2. Atmung
Die Atmung geschieht grundsätzlich durch die Nase und sollte
Tiefatmung oder Zwerchfellatmung sein. Brustatmung ist für Zen
weniger günstig. Das Atmen soll tief und ruhig sein. Zwischen Ein-
und Ausatmen soll keine längere Pause gemacht werden. Der Atem
wird nicht angehalten. Die beschriebene Haltung und Atmung fördert
den Blutkreislauf und beruhigt die Nerven. Nachdem der Körper zur
Ruhe gekommen ist, ist es leichter, auch seelisch in einen Zustand der
Ruhe zu kommen, wie es für die Meditation notwendig ist.
3. Innere Haltung
Sie ist das Wichtigste und der unmittelbare Zweck der
Körperhaltung und Atmung. Sie ist schwieriger zu beschreiben als
die beiden anderen Elemente des Zazen. Meister Dogen (1200 bis 1253),
der Gründer der japanischen Soto-Schule, sagt: "Denke das
Nichtdenken." Es ist ein Nichtdenken, das nicht gleichbedeutend ist mit
einem Zustand des Dösens. Eine andere gebräuchliche
Ausdrucksweise ist: "Ohne Begriffe und ohne Gedanken" (munen-muso).
Zazen ist eine Meditation ohne Gegenstand oder Thema. Im christlichen
Raum sind wir gewohnt, uns auf eine Glaubenswahrheit oder eine
Schriftstelle zu konzentrieren, wenn wir eine Betrachtung oder
Meditation machen. Im Zen ist dies anders. Dort wird nicht über
etwas nachgedacht, auch nicht über die buddhistische Lehre. Der
chinesische Altmeister Rinzai sagt: "Räume jedes Hindernis aus dem
Wege" ... Anders ausgedrückt: Während der inneren Haltung des
Zazen kommt es darauf an, daß jede ichgelenkte Tätigkeit
eingestellt wird. Das Ich muß passiv werden bzw. rezeptiv oder
geöffnet. Es geht hier nicht um das Reden, sondern um die Haltung
des Hörens, freilich nicht in dem Sinne, daß man etwas
hören möchte; das wäre wieder eine ichgelenkte
Tätigkeit in der Form eines Wunsches. Tauchen trotzdem spontan
Gedanken auf, schadet das dem Zen nicht, solange man nicht darauf
eingeht. Mit anderen Worten: Man muß in tiefere
Bewußtseinsschichten eindringen. Das kann man jedoch nicht
erzwingen, sondern muß es geschehen lassen.
Hugo M. Enomiya-Lassalle:
Wohin geht der Mensch? Herausgegeben von
Roland Ropers. Aurum Verlag, Freiburg i.Br., 2. erweiterte Auflage
1988, Seite 168f.
Körperhaltung
Sie sitzen auf einem etwa 5-8 cm dicken, runden Kissen, das unmittelbar
auf dem Fußboden oder einer Decke/Matte liegt. Dabei legen Sie
den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und den linken
Fuß auf den rechten Oberschenkel. Der Oberkörper ist ganz
senkrecht zu halten, desgleichen der Kopf in der Verlängerung der
Rückenwirbelsäule, so daß sich die Nasenspitze
senkrecht über dem Nabel befindet. Diese Haltung ist am Anfang
meist schwierig, aber sie sollte doch so ausgeführt werden,
daß nirgends eine Spannung auftritt, sondern der ganze
Körper entspannt ist. Dies ist die für Zazen
vorgeschriebene Haltung, Lotussitz genannt (kekka). Ist Ihnen diese
Stellung zu schwierig, so können Sie diese in der Weise
verändern, daß Sie nur einen Fuß auf den
gegenüberliegenden Schenkel legen und den anderen unter dem
gegenüberliegenden Schenkel liegen lassen: Halblotussitz. Der
Fuß sollte dabei möglichst an den Körper herangezogen
werden, aber doch so, daß man nicht darauf sitzt. Eine noch
mildere Stellung ist der Viertellotussitz: Der eine Fuß liegt auf
der Wade des anderen Beins, der andere unter dem
gegenüberliegenden Bein. Ihre Augen sind ein wenig geöffnet
auf einen etwa 1m entfernten Punkt m Boden gerichtet oder auf die
Wand, wenn man nahe vor einer Wand sitzend meditiert. Die Blickrichtung
auf einen Punkt ist keinesfalls eine Konzentration nach außen.
Ihre eigentliche Konzentration muß nach innen gerichtet sein. Die
Augen werden nur deshalb offengehalten, weil die Gefahr von
störenden Vorstellungen leichter gebannt werden kann.
Atmung als Weg zum wachen Nichtdenken
Eine der wichtigsten Voraussetzungen des Hineinkommens in die
Meditation ist die richtige Atmung. Ihre Atmung geschieht
grundsätzlich durch die Nase und sollte Tiefatmung, d.h.
Zwerchfellatmung sein. Der Atem selbst soll tief und ruhig sein. Machen
Sie zwischen Einatmen und Ausatmen keine längere Pause und halten
Sie den Atem niemals an. Lassen Sie Ihren Atem immer fließen. Mit
der beschriebenen
Zwerchfellatmung fördern Sie Ihren Blutkreislauf und beruhigen
Ihre Nerven. Nachdem Ihr Körper einmal zur Ruhe gekommen ist,
finden Sie auch leichter in einen seelischen Ruhezustand ... Die
Konzentration auf den Atem ist uralt und soll bis auf Buddha oder
sogar noch weiter zurückgehen. Sie hat für ihren Zweck,
allmählich alles andere auszuschalten und innerlich zur Ruhe zu
kommen, eine überraschend gute Wirkung ...
Hugo M. Enomiya-Lassalle:
ZEN-Unterweisung. München: Kösel, 3. Auflage 1988, Seite 16
Begriffserläuterung
Za = Sitz..., Sitzen
Zen = Meditation, Zustand der Versenkung (ind. Dhyana, chin. Chan)
Zazen = Sitzmeditation, Sitzen in Versenkung
Zen-Buddhismus = Zweig des Buddhismus, der auf Sitzmeditation
allergrößten Wert legt.
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